Yoga auf der Cross-Strecke

Das warme Wetter wird nochmal richtig genutzt, Wäsche waschen und vermutlich zum letzten Mal draußen aufhängen, die Pflanzen im Garten stutzen und damit die Biotonne vollstopfen. Kleine Reparaturen am Fahrrad meines zehnjährigen ("Mama, der Gepäckträger muss ab, der ist uncool und klappert so laut, da hört man mich ja schon vorn hundert Kilometer Entfernung). Und wo wir dann auch schon beim Thema wären. Mein Großer ist ja derzeit wirklich ein ganz ein Großer. Für ALLES ist er entweder zu cool, zu groß oder einfach zu "Oh, Mama". Ok, ich arbeite an mir und versuche beim nächsten Entwicklungsschritt Schritt zu halten. Wie immer, kommt dieser zwar nicht unverhofft, aber irgendwie dann doch zu schnell. Also, ich versuche auf die neuen Bedürfnisse von ihm einzugehen. Mehr Eigenständigkeit, mehr Eigenverantwortung, mehr Eigenarten! Ich versuche mir die erlernten Übungen aus meinem Yogakurs abzurufen und praktiziere reinigende Atemübungen. Er meint ich solle aufhören zu schnaufen,.... Egal, heute ging es nochmal zur Cross-Strecke. Wir wohnen nah am Stadtwald und mittem im unteren dichten Waldstück befindet sich ein über Jahre hinweg, liebevoll errichteter Parcous. Auf dem Laufrad haben meine Jungs den schon befahren,  die umgefallenen Baumstämme werden von Jugendlichen und junggebliebenen Crossfahrern zu Rampen umgebaut, Schippen und Besen immer dabei, es ist meist irgendwer da und baut gerade wieder was neu, um oder repariert. Meine sind große Fans von dieser Cross-Strecke und schauen sich so manches ab, und heute wollte Noah unbedingt mal eine der größten Rampen ausprobieren. Mit vollem Karacho einem Hang runter, auf die Rampe eines umgestürzten Baums. Eine Vertiefung von etwa einem Meter erwartet einen dahinter, diese Hürde muss genommen werden. Mit viel Mut und Konzentration machte er sich daran, sein kleinerer Bruder und ich feuerten ihn tatkräftig an. Er traute sich, flog weit genug hinüber, um in die Spur zu kommen, rutschte lediglich vom Sattel und landete auf der Mountainbike Stange. Ein kurzer Griff in seine Weichteile, alles schien noch an seinem Platz zu sein und sein Gesicht strahlte und leuchtete vor Stolz die große Hürde (oder vielmehr Bürde?) genommen zu haben. Levi klammerte sich überschwenglich an ihn und bejubelte ihn zum besten großen und tapfersten Bruder der Welt. Meine Yoga-Atemübungen helfen mir bei Aktionen wie diesen übrigens nur begrenzt....Also, alles prima alles bestens, zwei glückliche, stolze Jungs eine Mama, die sich dann doch wieder ans Atmen erinnerte (ein Hoch aufs vegetative Nervensystem). Der Kleine wollte gleich auch, den konnte ich zum Glück abhalten, "Levi, dein Rad ist zu kurz.", der andere wollte nochmal, bezieht Position am Hang, konzentriert sich und ich sage nur noch. "Noah, machs nicht." Da düst er schon los, Rampe, Vorderrad haut auf, Noah kopfüber darüber, bremst mit dem Helm, das Fahrrad begräbt ihn unter sich und für mich ist es gerade völlig egal ob, oder ob ich nicht atme. Mein Kind liegt im Schockzustand auf dem ausgetrockneten Waldboden, die Luft aus seinen Lungen gepresst und starrt mich an und dann kommt die erste Reaktion, ich seh wie er den Schmerz realisiert und er weint los. Um es jetzt nicht noch dramaticher zu machen als es ohnehin schon ist, alles war gut. Ein wenig Kratzer auf der Stirn, der Helm hat gute Arbeit geleistet (der war auch unheimlich teuer), die Knochen taten überall weh, aber nichts offen, nichts gebrochen, er wollte nur nach Hause nachdem er sich in meinen Armen ausweinen konnte und das Zittern in seinem kleinen Körper endlich nachließ. Eine heiße Badewanne war der Schlüssel zur Entspannung danach, ähnlich hilfreich wie ein Nutellabrötchen zum Abendbrot und "Levi, können wir jetzt bitte nicht mehr darüber reden." (Der kleine Bruder verarbeitet Schockzustände generell anders als er. Generell aber ALLES übers Reden,..) Dann wollte er nur noch ins Bett, mit mir kuscheln und noch ein bißchen aus "Herr der Ringe" vorgelesen bekommen. Ein gebeutelter "Beutlin" lag da neben mir und war plötzlich wieder ganz klein. Heute ist mein Großer gestürzt, auf dem rasanten Weg nach "oben" wie Rainald Grebe auch so schön singt, und liegt jetzt ganz klein da. Er wird noch öfters stürzen auf seinem Weg in die Eigenständigkeit, in die Eigenverantwortung mit all seinen EigenArten. Ich kann nur dabei stehen und das Atmen nicht vergessen! Ein Hoch auf- ihr wisst schon was!

26.9.13 21:35

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